Gebäudetypen

Energieausweis für Gasthof, Restaurant und Café in Baden-Württemberg: Was zählt, was nicht?

Zuletzt aktualisiert am 11. Oktober 20267 Minuten LesezeitVon Stephan Grosser, Gründer & Geschäftsführer
Schwarzwälder Gasthof mit Holzterrasse und verglastem Wintergarten vor bewaldeten Hügeln bei Freiburg

Ein Gastronomiebetrieb braucht nach § 80 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) einen Energieausweis, sobald das Gebäude verkauft, neu verpachtet, vermietet oder verleast wird, ab 2027 auch bei der Vertragsverlängerung. In die Rechnung gehen Heizung, Warmwasser, Lüftung und Beleuchtung ein, nicht aber Herd, Fritteuse und Kühlzelle. Wir erstellen den Bedarfsausweis zum Festpreis von 899 €.

Ein Wirt kennt seine Küche auf die Minute. Das Haus darum herum kennt er weniger gut: Wann wurde die Heizung eingebaut, wie sind die Fenster, wo zieht es? Der Energieausweis stellt genau diese Fragen, und er stellt sie nicht an den Betrieb, sondern an das Gebäude.

Brauche ich als Wirt überhaupt einen Energieausweis?

Nicht dauerhaft, sondern wenn ein Anlass eintritt: Verkauf, Neuvermietung, Verpachtung oder Leasing. Das regelt § 80 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz). Ab dem 1. Januar 2027 gehört auch die Verlängerung eines solchen Vertrags dazu.

In der Gastronomie ist der Anlass häufiger als anderswo. Pächter wechseln, Gasthöfe werden übergeben, ein Café zieht um. Jedes Mal ist der Ausweis dem Interessenten spätestens bei der Besichtigung vorzulegen und nach Vertragsschluss zu übergeben. Das Baujahr spielt keine Rolle: Das Fachwerkhaus von 1780 braucht ihn genauso wie der Neubau am Ortsrand.

Ein Ausweis gilt zehn Jahre. Wer einen noch gültigen hat, muss nichts weiter tun.

Warum fließt der Herd nicht in die Rechnung ein?

Weil der Ausweis die Energie des Gebäudes bewertet, nicht die des Betriebs. Erfasst werden Heizung, Warmwasser, Lüftung, Raumkühlung und die fest installierte Beleuchtung. Kochen, Braten, Spülen und das Kühlen von Ware sind Betriebsprozesse und bleiben außen vor.

Das hat eine wichtige Folge. Ein Verbrauchsausweis für ein Restaurant bildet fast nur Küche und Kühlung ab, denn die dominieren den gemessenen Verbrauch. Mit dem Zustand des Hauses hat das wenig zu tun. Ein Bedarfsausweis rechnet dagegen das Gebäude selbst: Hülle, Anlagentechnik, Lüftung. Deshalb ist er bei Gastronomie die sauberere Wahl, und ab 2027 ohnehin die einzige für Nichtwohngebäude.

Ein Beispiel für die Trennung: Was zum Kochprozess gehört, bleibt außen vor, die Raumlufttechnik des Gebäudes geht in die Rechnung ein. Wie die Lüftung in die Rechnung eingeht, klären wir in der Vorprüfung anhand Ihrer Fotos.

Wie wird ein Gasthaus in Zonen aufgeteilt?

Nach Nutzung und Beheizung. DIN V 18599 teilt das Haus in Bereiche mit eigenem Profil, und jeder Bereich wird einzeln berechnet. Für ein Gasthaus ergibt sich meist diese Aufteilung:

BereichBeheizungWas zähltWas wir dafür brauchen
Gastraum, Schankraum, Stubebeheizt, meist 20 °Cvoll, größte ZoneFläche, Heizsystem, evtl. Klimagerät
Küchebeheizt, hohe WärmelastRaumklima und Abluft, nicht das KochenFläche, Abluftanlage, Heizung
Spülküchebeheizt, viel WarmwasserWarmwasserbereitungzentral oder dezentral
Kühl- und TiefkühlräumegekühltBetriebsprozess, nicht in der BilanzLage im Gebäude
Lager und Kellerunbeheizt bis temperiertreduziertFläche, Solltemperatur
Toiletten, Personalräumebeheizt, kleinuntergeordnetFläche
Wintergartenbeheizt, wenn fest verglastzählt, wenn Teil der HülleBauart, Heizung

Der Festpreis von 899 € enthält bis zu vier Nutzungszonen. Gastraum, Küche, Lager und Personalbereich passen fast immer hinein. Zur Technik der Aufteilung gibt es den Ratgeber Zonierung bei Nichtwohngebäuden.

Wie sieht das im Schwarzwald, am Bodensee und im Weinland aus?

Baden-Württemberg hat Gastronomie in Gebäuden, die ein Energieausweis oft vor Fragen stellt. Der Gasthof im Schwarzwald mit steilem Schindeldach und Holzstube, die Weinstube im Altbau in Esslingen oder Heilbronn, die Besenwirtschaft im Weingut, das Brauereigasthaus, das Café mit Terrasse am See in Konstanz oder Friedrichshafen: Alle haben eigene Bauweisen, Heizungen und Nutzungszeiten.

Was die Wirtschaft des Landes prägt, prägt auch die Gastronomie. Neben dem Tourismus im Schwarzwald und am Bodensee gibt es die Betriebsrestaurants und Kantinen in den Werken des Mittelstands und der Zulieferer im Neckartal, die Mensen in den Hochschulstädten Tübingen, Heidelberg und Freiburg und das Mittagsgeschäft rund um die Bürostandorte in Stuttgart und Karlsruhe. Eine Kantine ist dabei meist nicht das ganze Gebäude, sondern eine Zone in einer Halle oder im Verwaltungsbau und wird nach dessen Nutzung gerechnet.

Besonders wichtig ist das Alter. Viele Gasthöfe stammen aus Zeiten, in denen niemand über Dämmung nachdachte, andere wurden nach dem Krieg wiederaufgebaut. In Heidelberg und anderen historischen Altstädten stehen viele Gebäude unter Denkmalschutz. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ist dafür zuständig. Ab dem 1. Januar 2027 entfällt die Denkmal-Ausnahme bei der Ausweispflicht: Auch die denkmalgeschützte Gaststube braucht dann bei Verkauf oder Neuverpachtung einen Ausweis. Planen Sie das vor der nächsten Übergabe ein, nicht danach. Der Ratgeber Denkmal und Nichtwohngebäude erklärt die Details.

Was gilt für Wintergarten, Biergarten und Terrasse?

Entscheidend ist die Bauart. Ein fest verglaster, dauerhaft beheizter Wintergarten ist Teil der Gebäudehülle und wird mitgerechnet. Eine offene Terrasse mit mobilen Heizstrahlern gehört nicht dazu.

Dazwischen liegt viel: der überdachte Biergarten, die Terrasse mit Markise und seitlichen Planen, der verglaste Anbau, der nur im Winter beheizt wird. Maßgeblich ist, ob der Raum fest umschlossen ist und über eine fest installierte Heizung verfügt. Ein Foto vom Anbau und ein Hinweis zur Beheizung genügen, um das einzuordnen. Besonders am Bodensee und in den Weinlagen sind solche Anbauten verbreitet, weil Gäste dort auch in der Übergangszeit draußen sitzen wollen.

Wer trägt den Ausweis bei Pächterwechsel?

Der Eigentümer, also der Verpächter. Das gilt auch, wenn der Pächter die Einrichtung selbst besitzt, denn der Ausweis betrifft das Gebäude, nicht die Möbel oder die Küche.

Gerade bei Gasthöfen im ländlichen Raum gehört das Haus oft einer Familie oder einer Brauerei, während der Betrieb verpachtet ist. Tauchen bei der Übergabe Fragen auf, hilft ein klarer Satz im Pachtvertrag, wer den Ausweis beschafft und wann. Wer den Ausweis schon vorab hat, gewinnt Zeit, denn der Pachtinteressent erwartet ihn bei der Besichtigung. Mehr dazu im Ratgeber Energieausweis bei der Vermietung von Gewerbe.

Steht das Lokal im Erdgeschoss eines Wohnhauses, sind es bis Ende 2026 zwei Ausweise (Wohnteil und Gewerbeteil), die wir im Paket für 899 € statt 1.298 € erstellen. Ab 2027 ist es ein Bedarfsausweis mit Zonen für das ganze Haus. Dazu die Seite zum Mischgebäude.

Welche Technik im Gasthaus verbessert die Bilanz am meisten?

Meist die Wärmeerzeugung und die Abluft, selten die Hülle allein. Der Ausweis bewertet, was fest im Haus installiert ist, und zeigt in den Modernisierungsempfehlungen, wo sich Eingriffe lohnen.

Drei Stellen fallen in Gastronomiebetrieben regelmäßig auf. Erstens der Heizkessel: Ein Ölkessel aus den 2000ern in einem großen Gasthaus verschlechtert die Primärenergiebilanz deutlich gegenüber einer Wärmepumpe oder einem Fernwärmeanschluss. Zweitens die Küchenabluft: Eine Anlage, die ohne Wärmerückgewinnung und ohne Nachströmung konzipiert wurde, saugt den ganzen Tag beheizte Luft ab, und die Nachheizung geht in die Gebäudebilanz ein. Drittens die Warmwasserbereitung: Spülküche, Theke und Toiletten haben einen Warmwasserbedarf, der in kleinen Betrieben oft über einen zentralen Speicher mit langen Leitungen gedeckt wird.

Das sind Hinweise, keine Pflichten. Der Ausweis verlangt keine Sanierung, aber er zeigt dem Käufer oder Pächter, was im Haus steckt. Wer vor einer Übergabe weiß, wo die Schwachstellen liegen, kann sie im Preisgespräch erklären, statt von ihnen überrascht zu werden.

Was passiert, wenn der Ausweis fehlt?

Ein fehlender oder falscher Ausweis bei Verkauf oder Verpachtung kann nach § 108 GModG mit bis zu 10.000 € geahndet werden, die Nichtvorlage bei der Besichtigung oder die unterlassene Übergabe mit bis zu 5.000 €. In Anzeigen müssen bei Nichtwohngebäuden zudem Ausweisart, Endenergiewert (getrennt nach Wärme und Strom) und die wesentlichen Energieträger stehen.

Die Behörden kontrollieren in der Praxis selten. Spürbarer ist der Zeitverlust: Ein Gasthof, dessen Übergabe am fehlenden Ausweis hängt, steht in der Saison leer. Das ist besonders im Tourismus ärgerlich, wo ein Pächterwechsel an Fristen und Betriebsphasen gebunden ist.

Was ändert sich zum 1. Januar 2027?

Für Gastronomiebetriebe ändern sich drei Dinge: Es gibt nur noch den Bedarfsausweis, die Vertragsverlängerung wird ein Anlass, und es kommt eine Effizienzklasse von A bis G.

ThemaBis 31.12.2026Ab 01.01.2027
AusweisartWahl zwischen Bedarf und Verbrauchnur Bedarfsausweis
AnlassVerkauf, Vermietung, Verpachtung, Leasingzusätzlich Vertragsverlängerung
EffizienzklassekeineA bis G
DenkmalAusnahmekeine Ausnahme mehr
BerechnungsnormDIN V 18599:2018-09DIN/TS 18599:2025-10

Die Klassen ergeben sich aus dem Vergleich mit einem Referenzgebäude: A bis 1,0 (nur bei Nullemissionsgebäuden), B über 1,0, C über 1,48, D über 1,97, E über 2,46, F über 2,95, G über 3,5. Ein Ausweis, der 2026 ausgestellt wird, bleibt zehn Jahre gültig und wird nicht umgestellt.

Außerdem sieht § 40 neu vor, dass bestehende Nichtwohngebäude ab 2030 einen Jahres-Primärenergiebedarf von höchstens dem 3,5-Fachen und ab 2033 von höchstens dem 2,95-Fachen des Referenzgebäudes haben dürfen, mit Ausnahmen. Der Ausweis löst diese Pflicht nicht aus. Für ältere Gasthöfe ist er aber ein früher Hinweis, wo sie stehen.

Wie läuft es ab und was kostet es?

Sie schicken, was Sie haben, wir erledigen den Rest. Grundriss oder Skizze, Fotos von Heizung, Lüftung und Fenstern, Baujahr und Flächen, mehr nicht. Alles läuft per Telefon, E-Mail und Foto, ohne Vor-Ort-Termin. Niemand betritt Ihre Küche.

Ein Rechenbeispiel, keine Kundenreferenz: ein Hotel-Restaurant am Bodensee, Baujahr 1968, mit 200 m² Gastraum, 60 m² Küche und Spülbereich, 40 m² Lager und Kühlräumen, 25 m² Sozialräumen. Heizung: Öl-Kessel von 2008. Gastraum und Küche sind eigene Zonen. Die Kühlräume laufen als Betriebsprozess nicht in die Bilanz, ihre Lage im Gebäude aber schon. Hat das Haus auch Zimmer, behandelt der Ratgeber zu Hotel und Pension die Besonderheiten.

Der Bedarfsausweis kostet 899 € als Festpreis, inklusive Modernisierungsempfehlungen und DIBt-Registriernummer, zehn Jahre gültig. Alle Preise sind Endpreise, als Kleinunternehmer nach § 19 UStG weisen wir keine Umsatzsteuer aus. Die Lieferung erfolgt innerhalb von 24 Stunden nach vollständigen Unterlagen, und es gibt eine Geld-zurück-Garantie.

Nächster Schritt

Nennen Sie uns Adresse, Fläche und ein paar Fotos von Heizung, Lüftung und Gastraum. Die kostenlose Vorprüfung sagt Ihnen vorab, wo das Gebäude beim Energiebedarf voraussichtlich liegt, welche Unterlagen fehlen und ob Ihr Haus mit vier Zonen auskommt. Telefon und WhatsApp: 0152 060 777 67.

Häufige Fragen

Muss ich als Pächter selbst einen Energieausweis besorgen?

In der Regel nicht. Zuständig ist der Eigentümer des Gebäudes, also der Verpächter. Als Pächter dürfen Sie den Ausweis vor der Vertragsunterschrift verlangen. Haben Sie das Gebäude selbst gekauft, tragen Sie die Pflicht.

Wird mein Gastraum mit Klimaanlage schlechter bewertet?

Eine Klimaanlage erhöht den berechneten Energiebedarf, weil Kühlung zur Gebäudebilanz gehört. Das gilt aber nur für fest installierte Technik. Wie stark sich das auswirkt, zeigt die kostenlose Vorprüfung.

Zählt die Besenwirtschaft im Weingut auch?

Das kommt auf das Gebäude an. Der Ausweis bezieht sich auf das Gebäude oder den Gebäudeteil, nicht auf die Betriebsform. Wird ein Weingut mit Ausschank verkauft oder verpachtet, ist ein Ausweis fällig, sofern das Gebäude nicht nach § 2 Abs. 2 GModG ausgenommen ist, etwa weil es jährlich weniger als vier Monate beheizt und weniger als zwei Monate gekühlt wird.

Reicht ein alter Verbrauchsausweis für mein Lokal?

Bis Ende 2026 ist ein gültiger Verbrauchsausweis noch zulässig. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es für Nichtwohngebäude nur noch den Bedarfsausweis. Bereits ausgestellte Ausweise bleiben zehn Jahre gültig.

Was kostet es, wenn Gastraum, Küche, Lager und Personalräume getrennt gerechnet werden?

Der Festpreis von 899 € enthält bis zu vier Nutzungszonen. Gastraum, Küche, Lager und Personalbereich passen in aller Regel hinein. Bei sehr großen oder komplexen Objekten nennt die Vorprüfung vorab einen verbindlichen Festpreis.

Muss ein Kiosk oder Imbisswagen einen Ausweis haben?

Ein fahrbarer Imbisswagen ist kein Gebäude und braucht keinen. Bei einem festen Kiosk kommt es auf die Größe an: Nach heutigem Recht sind Gebäude mit höchstens 50 m² Nutzfläche ausgenommen, ab 2027 gilt die Ausnahme für Gebäude mit weniger als 50 m².

Quellen

Stephan Grosser, Gründer & Geschäftsführer

Stephan GrosserGründer & Geschäftsführer, Immobilienexperte seit über 18 Jahren. Wir erstellen seit 2018 Energieausweise für Gewerbe, Praxen, Hallen und Wohngebäude, jeden mit DIBt-Registriernummer.

Ihr Bedarfsausweis. Morgen fertig.

Schicken Sie uns, was Sie zum Gebäude haben. Wir prüfen kostenlos vorab, nennen den Festpreis und liefern den Ausweis innerhalb von 24 Stunden nach vollständigen Unterlagen.

Anrufen